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Dahn im Januar 2013


Die Stellungnahme der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz zu Stolpersteine in Pirmasens

von Daniel Nemirovsky – Speyer, den 27.01.2013



Sehr geehrte Damen und Herren,

Erinnerung ist wichtig
Als Roman Herzog 1996 den Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27, Januar ins Leben gerufen hat, sagte er: „Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen. Es ist deshalb wichtig, nun eine Form des Erinnerns zu finden, die in die Zukunft wirkt. Sie soll Trauer über Leid und Verlust ausdrücken, dem Gedenken an die Opfer gewidmet sein und jeder Gefahr der Wiederholung entgegenwirken.“ Heute, nach 17 Jahren, ist die Aktualität seiner Wörter nicht verblasst. Jede Kommune in Deutschland wählt heute einen Weg, die Erinnerung an die Opfer des NS-Terrors wach zu halten. Man darf aber nicht aus den Augen verlieren, dass dieser Weg zukunftsträchtig ist und sein Ziel erfüllen soll, zu erinnern und zu ermahnen. Es gibt aber nicht den einzig richtigen Weg, alle Meinungen und Möglichkeiten haben ein Recht auf Leben und Ausführung.
In Pirmasens werden gerade zwei Wege diskutiert. So möchten wir als Jüdische Kultusgemeinde beide Wege betrachten und analysieren. Ein Denkmal zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus ist ein gängiger und legitimer Weg, die Gefühle aufzuarbeiten und für zukünftige Generationen ein Mahnmal zu errichten. Ein Denkmal ist eine Anlaufstätte für Führungen mit anschließenden Diskussionen bei Veranstaltungen und Gedenktagen. Doch ist ein Denkmal statisch und braucht aktives Interesse, um besichtigt und gesehen zu werden. Eine weitere Möglichkeit der Erinnerung und Ermahnung sind die so genannten Stolpersteine des Künstlers Gunther Demnig. Auf den in die Bürgersteige eingelassenen mit Messing bedeckten Steinen findet man Namen der in NS-Zeit vertriebenen, verfolgten und ermordeten Bürger der Stadt. Dadurch bekommen die meist anonymen Opfer Namen und Geschichten. Die Steine brauchen keinen Umweg und keine Erklärung wie ein Denkmal. Sie sind einfach da und erinnern jeden Tag an das einstige Leben und sein schreckliches Ende. Durch das leichte Bücken, das notwendig ist, um die Namen zu lesen, zeigt man auch Respekt vor den Opfern. Es ist eine jüdische Tradition, als Zeichen des Respekts, beim Besuch eines Grabes oder einer wichtigen Stätte einen Stein zu legen. Die Stolpersteine können aus jüdischer Sicht auch solche Besuchersteine auf einer Stadt werden. Die Diskussion über ein würdiges Gedenken in Pirmasens ist aus unserer Sicht überflüssig. Es darf nicht ein Weg anstelle eines anderen bevorzugt werden.
Wir dürfen auf keine der Meinungen verzichten. Es geht nicht um „entweder- oder“ sondern um „sowohl- als auch“. Wir, die Jüdische Gemeinde der Rheinpfalz, würden uns jedenfalls freuen, wenn der Stadtrat von Pirmasens zu beiden Formen des Gedenkens seine Erlaubnis gäbe. Denn beide Gedenkformen schließen einander nicht aus, sondern ergänzen sich. Wir freuen uns, wenn die ehemals blühende jüdische Gemeinde Pirmasens wieder einen Platz in der Erinnerung der Menschen einnimmt.

Mit freundlichen Grüßen – Daniel Nemirovsky
Geschäftsführer Jüdische Kultusgemeinde der Rheinpfalz
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